Der Erich Kästner Platz

Januar 2019

Unser Nicole und ich saßen auf der Terrasse, aßen einen saftigen Apfelkuchen und sahen dabei über die große, üppige Wise hinter`m Haus.

Mein Gemüsegarten explodierte, darin wuchs fast alles was wir Anfang des Jahres liebevoll hochgezogen hatten:

Tomaten, Kürbis, Mangold, Fenchel, Gurken, Sellerie, Lauch, Rote Bete, Karotten, Blumenkohl, Weißkohl, Spitzkohl, Grünkohl, Rosenkohl, Kohlrabi, noch mehr Kohl, Mais, Bohnen, Erbsen, Kräuter ohne Ende und essbare Blüten.

Es war eine himmlische Atmosphäre in einem heißen Jahrhundertsommer und wir mitten drin.

Es war so heiß, dass unsere Gedanken vor sich hin schmolzen, wie Eiscreme auf Lagefeuer.

 

Da hat es Nicole als erste gesehen:

„Das ist doch eindeutig der Erich Kästner Platz!“

Dabei zeigte ihr ausgestreckter Zeigefinger direkt auf den hintren Teil der zugewachsenen Wiese, auf dem mein kleiner Tisch mit Stuhl stand.

„Im ‚Fliegenden Klassenzimmer‘ gibt es eine Zeichnung von Erich Kästner, der an genau so einem Platz im Sommer schreibt!“

Ich erinnerte mich wage an genau diese Zeichnung ( dass ich die Geschichte gelesen habe ist einige Jahre her ) und war höchst begeistert dass es mir wieder kam, ich hatte tatsächlich das kleine Bild in Erinnerung holen können.

Unter der Zeichnung stand von Erich Kästner in etwa geschrieben:

„Jetzt sitze ich hier im Hochsommer bei brütenden Temperaturen und soll eine Wintergeschichte schreiben…“

 

Sofort und auf der Stelle habe ich den neuen Lieblingsplatz den “ Erich Kästner Platz“ getauft.

Und selbstverständlich hat sich Nicole sofort davon inspirieren lassen und es sich an dem neuen Schreibplatz bequem gemacht.

Sie schrieb und schrieb und schrieb, ließ sich inmitten der hohen Gräser, zirpenden Grillen und singenden Vögel nicht ablenken.

Und vielleicht ist, während das Gemüse wuchs, die Fische durchs trockene Gras schwommen und die Hunde tollten, eine ganz neue Geschichte in ihren Notizen entstanden.

 

Die Natur ist doch das einzige Buch,
das auf allen Blättern großen Gehalt bietet.

Wie lesbar mir das Buch der Natur wird, kann ich dir nicht ausdrücken;
mein langes Buchstabieren hat mir geholfen, jetzt rückt’s auf einmal,
und meine Freude ist unaussprechlich.

Sieh, so ist Natur ein Buch lebendig,
unverstanden, doch nicht unverständlich.

 

Johann Wolfgang von Goethe

Liebes Brautpaar,

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Herzliche Grüße, Alexandra