Fargo in Bayern – Zelten im Schnee

April 2017

Vor drei Jahren habe ich zum letzten mal eine Nacht unter freiem Himmel in den Bergen an der Isar verbracht. Anfang März. Ohne Zelt. Dafür mit ziemlich vielen Klamotten, einer Isolationsmatratze, einem super warmen Schlafsack und einem Biwak Sack, damit die Feuchtigkeit nicht durch den Schlafsack kriecht. Dieses Erlebnis habe ich nie vergessen, denn es war einmalig schön und einfach unbeschreiblich bezaubernd. Millionen Sterne in der glasklaren Nacht, das Rauschen des Flusses einige Meter vor mir entfernt, ein spektakulärer Sonnenaufgang zwischen den Bergen, Eiskristalle die von Außen am Biwacksack lagen und ich im Schlafsack, kuschlig warm.

Unsere neue Ausrüstung die seit Sommer in Tüten verpackt darauf wartet endlich dafür gebraucht zu werden, schreite förmlich danach dieses Abenteuer zu wiederholen. Eine Nacht in den Bergen am Fluss, diesmal mit Zelt, denn der Wetterbericht sagte Schnee voraus… Mit einer Tüte feiner Salate, Zeitschriften, zwei großen Termoskannen voller heißem Lieblingstee, Skiunterwäsche, dicken Socken, Pullis und einer Taschenlampe zogen wir ende Februar mit dem Auto in Richtung Silvensteinspeicher los. Den Speicher und die Isar entlang in Richtung Österreich, auf die Mautstraße nach Vorderriss. Auf der linken Straßenseite eröffnet sich eine wunderschöne Landschaft durch die das Flussbett fließt und noch genug Steinstrand übrig ist um dort spazieren zu gehen und die Landschaft zu erkunden.

Vor drei Jahren bin ich aus dieser alten Heimat weggezogen. Naja, ich habe nicht unbedingt um die Ecke gewohnt, eine Stunde mit dem Auto war ich schon unterwegs bis zum Sylvensteinspeicher. Aber irgendwie fühlte es sich schon nach alter Heimat an, so als würde ich dahin zurück gehen wo meine Wurzeln entstanden. Als Kind und Jugendliche habe ich die Berge und die bayerischen Landschaften gehasst. Die Mentalität war mir immer zu suspekt und ehrlich gesagt kann ich mich auch heute nicht wirklich mit der Küche und ja festhalten: Mit dem Biertrinken anfreunden! JIP! Ich kann Bier nicht leiden! Und das als waschechte Bayerin. Noch nicht mal ein Radler hat es bislang in meine Magenregion geschafft. Auch der sarkastische Humor und die ruppige Art die Dinge beim Namen zu nennen, waren für mich jahrelang Fremdland. Und doch: Hier bin ich aufgewachsen. Diese Luft habe ich geatmet, in diesem See bin ich geschwommen und mit den Isarauen verbinde ich tausende Kindheitserinnerungen. Mein Freund Thomas und ich haben Treibholz geraucht   ( war eine dumme Idee, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn unsere Finger und Klamotten haben nur nach verbranntem Holz gestunken ) wir haben Verstecken gespielt, haben neue Pfade gefunden und uns eingebildet dass irgendwo im Gebüsch sicher eine Leiche liegt. Wir haben unsere Hunde schwimmen lassen, waren selbst im Sommer baden und einmal, in der 8. Klasse, da hat unser Lehrer Unterricht an der Isar mit uns gemacht. Einen ganzen Schultag lang. Während der Pause als er ein Nickerchen machte, malte ich ihm den großen Zehnagel mit meinem grünen Nagellack an. Als er aufwachte lachte er und war hellauf begeistert dass er es nicht gemerkt hatte. Er war der einzige, beste Lehrer aller Zeiten.

Ich frage mich, ob Erinnerungen mit zu einem Heimatgefühl gehören? So wie die Eltern oder Großeltern ihren Kindern irgendwann zeigen wo sie aufgewachsen sind und wo sie gespielt haben, völlig versunken und schwelgend in Erinnerungen.Und ob mich diese Nacht in 20 Jahren ebenfalls damit verbindet, ein Gefühl von Zuhause verspürt zu haben?

Einer der schönsten Momente in dieser Nacht: Unter einem glasklaren 5 billionen Sternen Himmel zu stehen und das Gefühl zu haben als gehörte uns die Welt ganz allein.

Die Ausstattung: 1 Zelt mit Vorraum, 2 Therm-A-Rest Isomatten, 2 Dauenenschlafsäcke bis – 10 Grad, 2 Wolldecken, Skiunterwäsche, Jogginhose, 2 Paar Socken, ein Longsleeve und darüber eine Fleecejacke, 2 kleine Kissen. Die Wolldecke haben wir in den Schlasack hineingestopft. Außerdem: 2 Kannen Tee, Brotzeit, Taschentücher eine Taschenlampe und eine Mülltüte. Mit dieser Ausstattung war es super warm und kuschlig bei -5 Grad Außentemparatur. Einen Biwak Sack bzw. Zelt haben wir nicht gebraucht.