ZEIT und warum sie die Mutter aller Werte ist

Dezember 2016

Die vierte Kerze brennt.

Und fast hätte ich mir keine Zeit dafür genommen um Plätzchen zu backen.

“ Ich habe keine Zeit! “ höre ich mich noch sagen. “ Und außerdem verbrennt bei mir immer alles im Ofen! „.

Aber dann nahm ich mir Zeit, um über Zeit nachzudenken und warum sie heute fehlt. Überall und bei fast jedem.

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Zeit für die Dinge die wir wirklich machen möchten, in der es mal nicht um den Hausputz, die Arbeit oder eine andere Verpflichtung geht.

Zeit für Dinge die einem wertvoll sind. Die einen Wert vermitteln. Einen Wert, den man nicht kaufen kann. Einen Wert der einem Schatz gleicht. Einen Wert den man in sich trägt und eines Tages teilt, mit jemandem der einem wichtig ist.

Ist Zeit ein Wert der langsam verloren geht weil wir nur noch damit beschäftigt sind ein aufgeräumtes Haus vorzuzeigen, jedes Wäscheteil zu bügeln und in Aufgaben, Arbeit und Medien ersticken?

Was ist mit den wichtigen Werten die nur aus Zeit entstehen können und existentiell notwendig sind?

Werte wie Geduldsamkeit, Achtsamkeit, Kreativität, Selbstliebe oder auch sozialer Intelligenz?

Sollten nicht gerade DIE regelmäßig gepflegt werden, so dass wir im Umgang mit uns und unseren Mitmenschen gut auskommen und einigermaßen glücklich sind?

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Zeit haben um seinem Kind zuzuhören und nachzufragen. Es ernst zu nehmen und ihm das Gefühl zu geben dass es wichtig ist, dass es gehört und gesehen wird.

Zeit haben um inspiriert sein zu können. Zum Beispiel um ein eigenes Projekt anzufangen, ein Bild zu malen oder eine Geschichte zu schreiben.

Zeit haben um Menschen zu treffen die einem gut tun. Deren Gespräche zu folgen und andere Blickwinkel kennen zu lernen.

Zeit haben um Wichtigkeiten neu zu ordnen die vielleicht veraltet oder eingerostet sind. Neue Bücher zu lesen und sich zu längst gefestigten Meinungen, Alternativen anhört um offen für Neues zu sein.

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Ich habe das Plätzchen backen jetzt einen Monat vor mich hin geschoben.

Gestern war es dann soweit, ich habe mir die Zeit dafür genommen, obwohl ich hundert andere Dinge hätte machen können und vielleicht auch hätte machen müssen.

Ich bin glücklich darüber dass ich mich entschieden habe, mir die Zeit dafür zu nehmen.

Die Plätzchen haben nicht den erwarteten Stabilitätstest bestanden und sie erhielten auch nicht die eingeplante Cocos Glasur.

Sie zerbrechen leicht und mit der Glasur wären sie hübscher. Früher hätte ich sie stinksauer in die Tonne getreten, mit den Worten “ Ich kann einfach nicht backen und werd`s auch nie wieder tun! “

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Heute mache ich es einfach, egal was dabei raus kommt. Denn es ist in den meisten Fällen nicht wichtig was am Ende rauskommt. Es geht darum es zu tun und sich die Zeit für Dinge zu nehmen die wichtig für uns sind.

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Was andere über mich denken wenn ich mal ohne meinen Partner meinen besten Freund treffe, wie unaufgeräumt das Haus ist falls Besuch kommt, welches Bild ich abgebe wenn ich mir die Haare pink färbe oder so eine große Schnauze habe wenn mir etwas nicht passt. Meine Zeit damit zu verbringen was irgendjemand über mich denken könnte, ist mir schlicht und einfach enorm unwichtig geworden.

Die Wertigkeiten auf diese Dinge haben sich verändert und darum bleibt mehr Zeit für das Wichtige, das Wesentliche. Zeit für mich, mein Kind, meine Familie und die Dinge die echte Werte in mir wachsen lassen.

Zeit in der ich Werte vermitteln kann, Vorbild bin im “ Zeit nehmen “  und im  “ einfach machen auch wenns schief geht „.

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Auf die Cocos Glasur hatte ich am Ende keine Lust mehr, denn ich war fast 4 Stunden mit über 100 Plätzchen beschäftigt. Und in der Zeit in der ich die Glasur hätte machen müssen, habe ich mich dann lieber zu meiner Schwiegermutter gesetzt und tolle Gespräche mit ihr geführt. Und plötzlich war alles so perfekt. Die unperfekten Plätzchen, 4 Stunden Zeit für mich und meine Gedanken, meine Träume und Ideen, der Plätzchenduft im ganzen Haus, die Ruhe und Gelassenheit die ich in mir spürte.

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All die Zeit die ich mir und meiner Schwiegermutter schenken konnte, waren so viel mehr wert als all der Stress den ich gehabt hätte wenn das Ziel “ perfekte, glasierte Plätzchen “ gewesen wäre.

UND OH MEIN GOTT, WAREN DIE LECKER!

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